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Schule & Bildung
Montag, November 10
 
Berufliche Förderung junger Frauen: "Projekte für Benachteiligte im IT-Bereich berücksichtigen zu wenig geschlechtsspezifisch unterschiedliche Zugänge
Auszüge aus dem Beitrag "Verbesserung der Zugangschancen von benachteiligten jungen Frauen zu den neuen Medien" von Elise Bohlen und Claudia Flesch in dem von IN VIA Katholische Mädchensozialarbeit - Deutscher Verband e.V. herausgebrachten Reader "Lebensentwürfe jenseits von Rollenfixierungen. Beiträge zur beruflichen Förderung junger Frauen":

>> ... (Wie) können benachteiligte Mädchen in Ausbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen der Jugendberufshilfe auf IT-Berufe vorbereitet werden?

Die Zahlen sprechen für sich: Der Anteil an jungen Frauen in den IT-Berufen ist je „technischer“ scheinbar die Ausrichtung ist, gering, der Anteil an Hauptschüler(inne)n bzw. Jugendlichen ohne Hauptschulabschluss geht gegen Null. Die Tatsache, dass innerhalb der Benachteiligtenförderung für junge Frauen überwiegend Qualifizierungsmaßnahmen und Ausbildungsgänge in den „typischen Frauenberufen“ zur Verfügung stehen, erweist sich als eine zusätzliche Barriere.

Auch mit entsprechender Förderung und geeigneter Unterstützung werden nicht viele benachteiligte junge Frauen den Zugang zu einem der vier neuen IT-Berufe schaffen können. Die Frage, ob benachteiligte junge Frauen überhaupt eine realistische Chance haben, einen Ausbildungsplatz in diesen IT-Berufen zu erhalten, ist jedoch falsch gestellt. Die derzeitige Diskussion in der Jugendberufshilfe wird zu sehr auf die vier dualen Ausbildungsgänge verengt und verstellt damit den Blick auf die vielfältigen beruflichen Möglichkeiten, die in der IT- und Medienbranche auch für Frauen mit Benachteiligungen vorhanden sind - bei entsprechender Förderung und Unterstützung.

Darüber hinaus sind IT-Kompetenzen wichtige Alltagskompetenzen, und nahezu für alle Ausbildungsgänge werden IT-Grundkenntnisse und –kompetenzen vorausgesetzt. Solange junge Frauen unter den benachteiligten Jugendlichen besondere Barrieren beim Zugang zu den Informations- und Kommunikationstechnologien überwinden müssen, sind besondere Angebote und Fördermaßnahmen für diese Zielgruppen erforderlich.

4.1 Berufsorientierung und Berufswahl

Eine Erweiterung des Berufswahlspektrums für junge Frauen, die ausschließlich IT-/Multimedia-Berufsfelder fokussiert, greift zu kurz und ist zudem dem Risiko gegenläufiger Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt ausgesetzt. Es kann nicht darum gehen, die bisherigen Berufswahlentscheidungen von jungen Frauen abzuwerten, sondern vielmehr darum, über geeignete Maßnahmen und Angebote ihr Berufswahlspektrum zu erweitern.

Wichtig ist, umfassend und nachhaltig zu beraten und zu qualifizieren, wobei insbesondere die modernen Dienstleistungsberufe, in denen IT-/Multimedia-Kompetenzen vorausgesetzt werden, als Chance auch für Benachteiligte begriffen werden müssen. Zu verstärken sind die Aktivitäten und Maßnahmen, die jungen Frauen moderne Technologien näher bringen und die ihnen gleichzeitig ihre beruflichen Möglichkeiten realistisch aufzeigen.

Jungen Frauen mit Benachteiligungen sind zielgruppenadäquate Zugangswege zu den neuen Technologien zu eröffnen. Für sie sind geeignete Informationsangebote zu ihren beruflichen Chancen in diesem Berufsfeld bereitzustellen.

4.1.1 Informationsangebote im Internet zur Erweiterung des Berufswahlspektrums

Im Zusammenhang mit der Kampagne der Bundesregierung zur Steigerung des Anteils von jungen Frauen an Ausbildungs- und Studiengängen der IT-Branche sind eine Reihe von Projekten und Initiativen entstanden, die darauf abzielen, junge Frauen zu informieren, Vorurteile gegenüber diesen Berufen abzubauen und für eine Ausbildung bzw. ein Studium in diesem Bereich zu werben.

Diese Initiativen richten sich allerdings häufig an Realschülerinnen oder Abiturientinnen ... In der Regel setzen sie bereits Kenntnisse und Erfahrungen mit den neuen Medien voraus. Auch in Aufbau und Inhalt sind sie eher ungeeignet, junge Frauen mit Benachteiligungen zu erreichen.

Es gibt kaum Informationsangebote im Internet, die sich exklusiv an die Zielgruppe benachteiligter junger Frauen richten bzw. die in Aufbau und Inhalt geeignet sind, diese Zielgruppen anzusprechen.

Ein positives Beispiel hierfür ist die aus dem Projekt „Fit für die neuen Medien und IT-Berufe durch Film, Internet und Talk“ des Jugendgemeinschaftswerkes Hamm entstandene Website. (URL: http://www.jgw-hamm.de/Fivenationgirls/unser_projekt.htm). ... Das Online-Informationsangebot im Rahmen des Projektes „Idee-it“ (URL: http://www.idee-it.de) will junge Frauen für die neuen IT- und Medienberufe gewinnen und ihnen Lust auf eine Ausbildung in einem der Zukunftsberufe machen. ... Beim Internetportal für Schülerinnen „Lizzynet“ (URL: http://www.lizzynet.de) der Initiative „Schulen ans Netz“ werden nicht nur Berufe aus dem IT-Bereich vorgestellt. ... Die Internetseite und CD-Rom „joblab.de : Multimedia-Planspiel zur Berufsorientierung und Berufswahlentscheidung von Mädchen“ (URL: http://www.joblab.de/) zielt darauf, Mädchen anzuregen, sich mit ihren Lebens- und Berufsvorstellungen auseinander zu setzen. ...

Insgesamt sind Informationsangebote im Internet zu wenig auf die Zielgruppe der benachteiligten jungen Frauen ausgerichtet, weil sie zu kompliziert sind oder wenig mit der Lebensrealität der Mädchen zu tun haben. Diese jungen Frauen haben in der Regel wenig Erfahrungen im Umgang mit Computer und seltener Zugang zum Internet (...). Außerdem sind sie mehrheitlich nicht geübt darin, im Internet die entsprechenden Informationen zu recherchieren. Sie brauchen also andere, mehr aktions- und handlungsorientierte Formen, um den Zugang zu diesem Medium zu bekommen. Internetangebote können das Informationsangebot nur ergänzen.

4.1.2 Aktionen und Events zu Angeboten der Berufsorientierung für junge Frauen

Berufsorientierung in den Schulen darf nicht erst in den 8./9. Klassen beginnen, weil sich zu diesem Zeitpunkt die Berufswünsche bereits verfestigt haben. Sie muss den Schülerinnen außerdem Möglichkeiten bieten, Berufe „hautnah und praxisorientiert“ zu erleben.

Ein guter Ansatzpunkt sind beispielsweise Mädchenprojekttage, wie auch der Erfolg des Aktionstages „Girls day“ (URL: http://www.girls-day.de) zeigt. Der seit April 2001 jährlich durchgeführte Girls day, ein Zukunftstag für Mädchen, ist eine bundesweite Kampagne mit dem Ziel, die Berufswahlorientierungen von Mädchen zu erweitern. ... Zur Vorbereitung und Durchführung des „Girls day“ haben sich 2002 bundesweit 83 breite regionale und lokale Bündnisse und Arbeitskreise gebildet. An solchen Aktionsbündnissen und Arbeitskreisen auf lokaler/ regionaler Ebene müssen sich auch Träger von Maßnahmen der Benachteiligtenförderung beteiligen, um dazu beizutragen, dass Aktivitäten und Angebote für ihre Teilnehmerinnen zielgruppengerecht durchgeführt werden.

Darüber hinaus sind gerade auf lokaler Ebene vielfältige Aktivitäten zur Erweiterung des Berufswahlspektrums möglich ...

4.1.3 Lokale und regionale Netzwerke

Wichtig ist, dass auf lokaler Ebene der Aufbau von Netzwerken und die Zusammenarbeit von Jugendhilfe und Schule, IT-/Multimediabetrieben, Gleichstellungsstellen, Arbeitsamt, Berufsberater(innen) usw. forciert werden. Solche Netzwerke sind in den letzten Jahren vielerorts entstanden und müssen weiter ausgebaut werden.

Ein Beispiel für eine regionale Aktion ist das Projekt "Girls just do IT! - Berufswahl mit Zukunft", das Mädchen und junge Frauen an die neuen IT-Berufe heranführen will. (URL: http://www.girls-just-do-it.de) Mädchen und junge Frauen entdecken mit "Girls just do IT!" die vielfältigen Möglichkeiten und den spielerischen Umgang mit den neuen Medien. Sie lernen die beruflichen Perspektiven der IT-Berufe kennen. ...

4.2 Berufsvorbereitung und Berufsqualifizierung

4.2.1 Konsequente Umsetzung von Genderperspektiven

Bestehende Projekte für Benachteiligte im IT-Bereich differenzieren in der Regel nicht nach Geschlecht und berücksichtigen geschlechtsspezifisch unterschiedliche Zugänge und Lernstile von Mädchen und Jungen zu wenig. Grundsätzlich muss es darum gehen, eine geschlechterbewusste und –adäquate Ausrichtung der Maßnahmen zu erreichen – das birgt für beide Geschlechter neue Chancen. Notwendig sind differenzierte Lern- und Lehrarrangements, die die Ressourcen und Kompetenzen der Mädchen nutzen und fördern.

Auch gegenüber Ausbildungsbetrieben und IT-Unternehmen müssen die Ressourcen, die Mädchen und junge Frauen bereits mitbringen, stärker herausgestellt werden, wie z.B. Teamfähigkeit, nutzungsbezogene Anwendung, Erfassen von übergreifenden interdisziplinären Zusammenhängen, Kommunikationsfähigkeit, Kreativität usw. Diese Fähigkeiten sind in den IT- und Medienberufen genauso wichtig wie Technikorientierung.

Neben den Methoden und Standards der Jugendberufshilfe - wie z.B. individuelle Förderpläne, Potenzialassessment, Casemanagement, Qualifizierungsbausteine - müssen Genderperspektiven in der Berufsorientierung und Berufsvorbereitung grundlegend Eingang finden, um Mädchen Zugänge zu Informationstechnologien und neuen Medien zu ermöglichen.

4.2.2 Kompetenz- und Ressourcenorientierung

In berufsvorbereitenden Angeboten müssen gezielt Projekte entwickelt werden, die Mädchen auf eine Ausbildung in den IT-Berufen bzw. den Medienberufen vorbereiten. Um die Kompetenzen von jungen Frauen feststellen zu können, sind dabei entsprechende Verfahren der Kompetenzfeststellung erforderlich, die nicht nur Aspekte von IT-/Medienkompetenz sondern auch Genderperspektiven beinhalten.

Der Frauenbildungsträger Life e.V. hat ein Kompetenzfeststellungsverfahren entwickelt, das beide Aspekte aufgreift (URL: http://www.taste-for-girls.de). Unter dem Titel „Technik ausprobieren – Stärken entdecken“ hat Life e.V. ein Assessment-Verfahren zur Potenzialermittlung und zur beruflichen Orientierung für junge Frauen am Ende der Schulzeit entwickelt. Ziel ist es, die Potenziale und Kompetenzen der jungen Frauen zu erfassen und sie für andere als die klassischen Frauenberufe zu interessieren, indem junge Frauen Praxiserfahrung ermöglicht wird in Berufen, zu denen sie bisher kaum oder gar keinen Kontakt hatten: Handwerk, IT und Technik.

Eine Woche lang können junge Frauen in simulierten Praxissituationen ausprobieren, welche Anforderungen den Berufsalltag von IT-Berufen, Handwerk und Technik prägen. Sie arbeiten in ungewohnten Umgebungen, mit ungewohnten Materialien und Werkzeugen. Dabei schauen ihnen unvoreingenommene, trainierte Beobachterinnen und Beobachter zu und versuchen herauszufinden, wie die Frauen mit den Situationen zu recht kommen und ob solche Berufe für sie geeignet sind. Ihre Beobachtungen werten sie gemeinsam mit den jungen Frauen aus. ...

4.2.3 Mädchen- und frauengerechte Lernsettings

Die unterschiedlichen Lebenswelten von Frauen und Männern müssen bei der Gestaltung von Qualifizierungs- und Bildungsmaßnahmen sowie Lernmaterialien berücksichtigt werden. Wenn es darum geht, der Zielgruppe benachteiligter junger Frauen Zugänge zu Berufen im Spektrum der IT-Technologien zu ermöglichen, geht es auch um Aspekte wie Orientierungen, Interessen, Lernwege und Lernbedingungen.

Bei der Entwicklung von Maßnahmen und Angeboten müssen die Erfahrungen aus der beruflichen Frauenbildungsarbeit über die Anforderungen von Mädchen und Frauen an Lernbedingungen und –umgebungen stärker aufgegriffen und beachtet werden ... Wie die Hamburger Studie „Frauen in Zukunftsberufen“ gezeigt hat, tragen frauengerechte Lernbedingungen erheblich dazu bei, Barrieren gegenüber technisch ausgerichteten Qualifizierungsmaßnahmen abzubauen.

Die Maßnahmen müssen praxisorientiert und anwendungsbezogen sein und „Ernstfallcharakter“ haben, beispielsweise sollten Teilnehmerinnen nicht abstrakt Dinge lernen, sondern kleinere Projekte für Auftraggeber erarbeiten (Beispiel: Junge Frauen entwickeln eine Lernsoftware für Prüfungsvorbereitung in Holzwerkstatt). Junge Frauen mit Benachteiligungen haben zumeist weniger Erfahrungen im Umgang mit Computern und IT-Technologie oder bringen sogar negative Lernerfahrungen aus Schule oder Ausbildung mit. In diesem Kontext sind koedukative Lernzusammenhänge in der Regel ungeeignet, Mädchen zu motivieren. Geschlechtsspezifisch ausgerichtete niedrigschwellige Lernarrangements und selbstgestaltete Lernprozesse haben sich als sinnvoll erwiesen, Mädchen Zugänge zu diesem Lernfeld zu eröffnen.

4.2.4 Differenzierung der Begrifflichkeiten IT-Kompetenz und Medienkompetenz

Aufgrund der hohen Anforderungsprofile wird der Anteil der benachteiligten Frauen in IT-Berufen relativ gering bleiben. Unabdingbar ist dennoch, IT-Grundkompetenzen in allen Maßnahmen der Berufsvorbereitung zu vermitteln, um die beruflichen Integrationschancen dieser Zielgruppe zu verbessern. IT-Kompetenz ist als Teilbereich von Medienkompetenz zu begreifen, wobei sich perspektivisch die Unterschiede zwischen „neuen“ und „alten“ Medien verwischen werden.

Für die Maßnahmen mit benachteiligte junge Frauen ist hier die Unterscheidung in grundlegende IT-Kompetenz (z.B. Umgang mit Computer, gängiger Bürosoftware, wesentlicher Internetdienste), die Bestandteil jeder Ausbildung sein muss, IT-Anwendungskompetenz (...) und Expert(inn)enkompetenz (...) hilfreich. ... Als wichtige Schlüsselqualifikationen sollten zu Beginn aller Maßnahmen grundlegende IT-Kompetenzen vermittelt werden. Diese sollten kontinuierlich zum Einsatz kommen.

Darauf aufbauend können mit Hilfe von entsprechenden Kompetenzfeststellungsverfahren geeigneten und interessierten Teilnehmerinnen in weiteren Lernmodulen und Qualifizierungsbausteinen IT-Anwendungskompetenz und IT-Expert(inn)enkompetenz vermittelt werden. Ggf. Können sie auch auf eine Ausbildung vorbereitet werden.

4.2.5 Module und Qualifizierungsbausteine

Berufsvorbereitende Maßnahmen und Qualifizierungsmaßnahmen für benachteiligte junge Frauen sollten modular aufgebaut sein und die unterschiedlichen Lernvoraussetzungen und –bedingungen der einzelnen Teilnehmerinnen im Sinne des individuellen Förderns berücksichtigen. Lerninhalte müssen individuell angepasst werden können und anschlussfähig an aufbauende Qualifizierungsangebote sein.

Weil benachteiligte Jugendliche häufig Schwierigkeiten mit theoretischen Inhalten haben, sind berufsvorbereitende/-qualifizierende Maßnahmen möglichst praxisnahe und handlungsorientiert anzulegen. Lerninhalte und Module IT-qualifizierender Angebote sind bei INBAS beschrieben ...

4.2.6 Erweiterung des Angebotsspektrums

Das verengte Angebotsspektrum für benachteiligte junge Frauen ist zu erweitern. Jeder Maßnahmeträger sollte im IT-Bereich mindestens eine berufsvorbereitende oder –qualifizierende Maßnahme für diese Zielgruppe anbieten. Voraussetzung hierfür ist, dass in den Einrichtungen Gender-Kompetenz und IT-Kompetenz vorhanden sind. Zudem ist eine kontinuierliche Zusammenarbeit mit der Arbeitsverwaltung und den lokalen IT- Unternehmen erforderlich, um bei der schnellen Entwicklung neuer Berufsbilder/-bezeichnungen in der Branche nicht abgehängt zu werden und auf neue Anforderungsprofile mit entsprechend gestalteten Maßnahmen reagieren zu können.

Auf lokaler und regionaler Ebene ist dabei die Bildung von Lern- und Ausbildungsverbünden und eine systematische Zusammenarbeit der Träger von Jugendberufshilfemaßnahmen mit den örtlichen Betrieben im Medien- IT Bereich, mit der Arbeitsverwaltung und mit den Schulen anzuraten. Für frauenspezifische Projekte sind Frauencomputerschulen u.ä. wichtige Kooperationspartner.

Ein gutes Beispiel hierfür ist die Initiative der niedersächsischen Landesregierung “Projekt Love-it – Lernortverbünde für IT- und Medienberufe” (URL: http://www.projekt-love-it.de). Das Projekt unterstützt Initiativen vor Ort, beispielsweise durch Organisation der Ausbildung, auch im Verbund, Festlegung der Lerneinheiten und Lernorte auf der Basis der geltenden Ordnungsmittel (Betrieb/Schule/sonst. Institutionen), Verknüpfung von Ausbildung und Weiterbildung, Organisation (gemeinsamer) Fortbildung für Ausbilder und Lehrkräfte, Vernetzung der Ressourcen und des Wissens usw. ...

Ein weiteres Beispiel ist das Hamburger Netzwerk „MIT MUT“ -Mädchen, Informationstechnologien, Medien und Technik (www.mit-mut.de). Die Netzwerkstelle Mädchen und Beruf richtet sich an Multiplikator(inn)en im Umfeld von Mädchen (...), um die vielseitigen Aktivitäten zur Berufsorientierung in Hamburg zu vernetzen und gemeinsame Berufsorientierungsaktionen durchzuführen. ...

4.2.7 Qualifizierung der Fachkräfte

In den Einrichtungen und Maßnahmen gibt es nach wie vor zu wenige weibliche Fachkräfte, die die jungen Frauen fachlich und technisch versiert anleiten können. Das Projekt IT-Ausbilderinnen (URL: http://www.it-ausbilderinnen.de) hat dieses Problem erkannt. Durch die Ausbildung weiblicher IT-Fachkräfte zu Ausbilderinnen soll diese Lücke geschlossen werden. Die Sensibilisierung und Qualifizierung der Ausbilder(innen) für die unterschiedliche Herangehensweise von Frauen und Männern an technische Ausbildungsinhalte ist eine wichtige Voraussetzung.

Davon unabhängig schreiben sich Sozialpädagoginnen/Sozialarbeiterinnen häufig selbst wenig IT-Kompetenz zu. Die Barrieren, sich mit den neuen Techniken zu beschäftigen, sind hoch und die Motivation dazu fehlt häufig. Geschlechtsspezifische Schulungen und Trainings zur Erweiterung der IT-Kompetenzen sind daher auch bei den Fachkräften erforderlich.

4.2.8 Frauennetzwerke

Es sind Netzwerke einzurichten für Sozialarbeiterinnen, Sozialpädagoginnen, Ausbilderinnen und Anleiterinnen, die benachteiligten jungen Frauen Zugänge zu neuen IT-Berufen vermitteln bzw. berufsvorbereitende oder qualifizierende Maßnahmen in diesem Bereich durchführen. Ein gutes Beispiel ist das Netzwerk „Leanet“ (URL: http://www.leanet.de),- das Service-, Informations- und Arbeitsnetzwerk für Lehrerinnen von Schulen ans Netz e.V. oder die Website des Projektes IT-Ausbilderinnen (URL: http://www.it-ausbilderinnen.de).

Insgesamt beziehen bestehende Netzwerke zu wenig Genderperspektiven und Genderkonzepte mit ein. ... <<

Quelle: Elise Bohlen und Claudia Flesch: "Verbesserung der Zugangschancen von benachteiligten jungen Frauen zu den neuen Medien – eine Recherche", in: "Lebensentwürfe jenseits von Rollenfixierungen. Beiträge zur beruflichen Förderung junger Frauen", IN VIA Katholische Mädchensozialarbeit - Deutscher Verband e.V., Freiburg 2003


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Auszüge aus der Buchvorstellung:
"Lebensentwürfe jenseits von Rollenfixierungen. Beiträge zur beruflichen Förderung junger Frauen"

>> ... Im dualen Ausbildungssystem sind junge Frauen trotz höherer Schulabschlüsse unterrepräsentiert. Nach wie vor konzentrieren sie sich auf nur wenige - traditionell „weibliche“ - Berufe: mehr als die Hälfte der jungen Frauen werden in nur 10 Berufen ausgebildet.

Die geschlechtsspezifische Segmentierung des Ausbildungsmarktes wird durch Maßnahmen der Benachteiligtenförderung aufgegriffen und weiter verfestigt. Viele Maßnahmeträger konzentrieren sich bei ihren Angeboten für junge Frauen ebenfalls auf die traditionell weiblichen Berufsfelder. Es fehlen Berufe, die eine breite Schlüsselqualifikation vermitteln. Damit verfestigt das Angebot in der Benachteiligtenförderung geschlechtsspezifische Benachteiligungen von jungen Frauen. Die Anforderung an die Jugendberufshilfe, jungen Frauen im Rahmen der Angebote ein erweitertes Berufsspektrum zu eröffnen und damit ihre beruflichen Beteiligungschancen zu erhöhen, hat im Zuge der aktuellen Gender Mainstreaming- Diskussion neu an Bedeutung gewonnen.

Der Reader „Lebensentwürfe jenseits von Rollenfixierungen“ enthält Beiträge, die das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten.

In Teil I wird recherchiert, welche Chancen Frauen in den neuen Medienberufen haben und wie die Zugänge von Frauen zu den neuen Medien der Informationstechnologien sich derzeit gestalten. Hierbei werden besonders benachteiligte junge Frauen in den Blick genommen. Es geht um die Frage, wie die Zugangschancen von benachteiligten jungen Frauen zu den neuen Medienberufen, aber generell auch zum Medium Internet zu verbessern sind. Projektbeispiele und die umfangreiche kommentierte Linkliste spiegeln die Vielfalt der bundesweiten Aktivitäten zu diesem Thema wieder.
In Teil II werden Projektbeispiele der Jugendberufshilfe von IN VIA präsentiert, die benachteiligte junge Frauen beim oft schwierigen Übergang von der Schule in das Berufsleben unterstützen. Die Angebote zielen darauf ab, jungen Frauen einen erweiterten Blick bei ihrer Berufswahl zu ermöglichen und ihnen Experimentierräume in für sie neuen Handlungsfeldern zu eröffnen.
Teil III bilanziert den Sechsten Jugendbericht von 1984, der die Verbesserung der Chancengleichheit von Mädchen in der Bundesrepublik Deutschland zum Thema hatte. Auf der Grundlage gesellschaftlicher und politischer Entwicklungen sowie veränderter Gesetzgebung wird der Bezug zur aktuellen Situation junger Frauen hergestellt. Die Partizipation benachteiligter junger Frauen an den Angeboten der Jugendsozialarbeit wird analysiert und bewertet. Die Autorin kommt zu dem Ergebnis, dass hinsichtlich der schulischen und beruflichen Ausbildung, der Eingliederung in die Arbeitswelt und der sozialen Integration junger Frauen die Chancengleichheit mitnichten erreicht ist und dass die Handlungsmaximen des Gender Mainstreaming nicht dazu missbraucht werden dürfen, geschlechtshomogene Angebote zu diskreditieren.
Der Reader wurde erstellt von IN VIA Katholische Mädchensozialarbeit e.V. im Rahmen der Zentralen Beratungsdienste der Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit e.V. (BAG KJS e.V.). Die Publikation wurde gefördert über das BMFSFJ. ... <<

Inhalte u. a.:

Elise Bohlen, Claudia Flesch: "Verbesserung der Zugangschancen von benachteiligten jungen Frauen zu den neuen Medien – eine Recherche":
Berufswahlverhalten junger Frauen
Junge Frauen in der Benachteiligtenförderung
Junge Frauen in IT- und Medienberufen
Barrieren und Hindernisse für benachteiligte junge Frauen beim Zugang zu den neuen Medien
Konsequenzen und Beispiele zur Verbesserung der Zugangschancen von benachteiligten jungen Frauen zu den neuen Medien
Kommentierte weiterführende Links von A-Z
Elise Bohlen: "Praxisprojekte für junge Frauen am Übergang von der Schule in das Berufsleben"
ZAK! Zukunft, Arbeit, Kreativität - IN VIA Aachen
Jugendberufshilfe als Partner der Schule - IN VIA Freiburg
Operation Homepage geglückt - IN VIA Paderborn
Mädchen fallen aus der Rolle - IN VIA Konstanz
Konsequenzen
Marion Paar: "Jugendsozialarbeit und Mädchenarbeit im Spiegel des Sechsten Jugendberichts von 1984 'Verbesserung der Chancengleichheit von Mädchen in der Bundesrepublik Deutschland'"
Feststellungen der Sachverständigenkommission zum Sechsten Jugendbericht zu jugendsozialarbeitsrelevanten Themen
Gesellschaftliche und politische Entwicklungen seit dem Sechsten Jugendbericht
Situation von Mädchen und jungen Frauen - 17 Jahre nach dem Sechsten Jugendbericht (Schulische und berufliche Ausbildung, Eingliederung in die Arbeitswelt, Soziale Integration ...)
Mädchen in der Jugendsozialarbeit (Quantitative Aspekte, Qualitative Aspekte)
Folgerungen
Quelle:Pressemitteilung http://www.news.jugendsozialarbeit.de/031110FoerdFrauen.htm


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